Da die Frage immer wieder aufkommt, warum ich Peat an der 5-Meter-Schleppleine meistens tatsächlich die kompletten 5 Meter „vorlaufen“ lasse, gibt es hier mal die Erklärung dazu 😊
Natürlich könnte ich Peat jederzeit mit einem Kommando dazu bringen, direkt neben mir oder sogar hinter mir zu laufen. Das funktioniert auch problemlos. Gerade im Wald oder in unübersichtlicheren Gebieten hätte das aber einen entscheidenden Nachteil.
Stellen wir uns mal folgende Situation vor: Wir laufen ganz entspannt durch den Wald, genießen die Ruhe – und plötzlich entscheiden 3–4 Rehe, ungefähr 10 Meter vor uns, spontan einen kleinen „Auftritt“ hinzulegen und über den Weg zu laufen. 🦌
Läuft Peat zu diesem Zeitpunkt direkt neben oder hinter mir, hängt die Schleppleine natürlich locker herunter. Bedeutet: Er hätte die kompletten 5 Meter Leine zur Verfügung, um Anlauf zu nehmen.
Und jetzt kommt der kleine Physikteil (keine Sorge, es gibt keinen Test danach 😄):
Peat wiegt ca. 48 kg. Wenn er diese 5 Meter nutzt und entsprechend beschleunigt, kann er ungefähr 20–25 km/h erreichen. Die daraus entstehende Belastung an der Leine liegt grob bei 250–270 kg Zugkraft.
Machen wir uns nichts vor: Das ist eine Belastung, die ein normaler Mensch nicht einfach mal locker aus dem Handgelenk wegsteckt. Da wird aus „Ich halte mal kurz die Leine“ sehr schnell „Ich hoffe, mein Arm bleibt dran“. 😅
Und selbst wenn man diesen Ruck tatsächlich halten würde, wäre die nächste Frage: Macht die Leine das mit? Eine normale Schleppleine hat meistens eine maximale Belastbarkeit von ungefähr 150–200 kg. (Wir haben in der Vergangenheit schon ein paar davon erfolgreich in den Ruhestand geschickt 😉)
Genau deshalb lasse ich Peat bewusst so weit vorlaufen, dass die Leine bis auf etwa 20–30 cm nahezu gespannt ist. Wichtig dabei: Der Arm, mit dem ich die Leine halte, hängt locker nach unten und es ist kein dauerhafter Zug auf der Leine.
Der Vorteil: Wenn er dann doch mal ein Reh, Wild oder etwas anderes Spannendes entdeckt, hat er nicht mehr die kompletten 5 Meter als „Startbahn“. Die Belastung reduziert sich dadurch deutlich und liegt ungefähr im Bereich von 70–80 kg Zugkraft. Das ist immer noch ordentlich – immerhin zieht hier ein 48-kg-Hund und kein Einkaufswagen 😉 – aber eine Belastung, die man realistisch noch kontrollieren kann.
Es geht also überhaupt nicht darum, dass Peat nicht hört oder unbedingt vorne laufen möchte. Ganz im Gegenteil: Er darf sich bewegen, schnüffeln und die Gegend erkunden. Es ist einfach bewusst so gewählt, dass er innerhalb eines sicheren Rahmens vor mir laufen darf 😊
Kurz gesagt: Die 5 Meter Schleppleine sind nicht dazu da, Peat hinter mir herzuziehen – sondern damit er Hund sein darf, ohne dass ich bei jedem Reh am Ende einen neuen Arm brauche. 😄
Natürlich sollte das langfristige Ziel sein, dass ein Hund auch bei plötzlich auftretenden Reizen – wie zum Beispiel einem unerwartet auftauchenden Reh – ruhig und ansprechbar bleibt.
Das klappt bei Peat inzwischen auch schon richtig gut, solange ich den Reiz (also das Wild) vor ihm wahrnehme und ihn rechtzeitig zu mir holen kann. Dann können wir gemeinsam daran arbeiten und er bleibt gut kontrollierbar.
Aber: Wir sind noch nicht bei 100 % Sicherheit angekommen – und genau deshalb nutzen wir aktuell weiterhin die Schleppleine. 😊
Die Schleppleine ist dabei keine „Kontrolle statt Training“-Lösung, sondern einfach unser Sicherheitsnetz. Sie gibt Peat den Freiraum, Hund zu sein, zu schnüffeln und die Umgebung zu erkunden, während sie gleichzeitig verhindert, dass aus einem spontanen „Oh, ein Reh!“ eine unkontrollierte Verfolgungsjagd wird. 😉
Fun Fact zum Schluss:
Bitte nutzt bei solchen Situationen ein Geschirr und kein Halsband.
Stellt euch einmal vor, diese komplette Zugbelastung von 250–270 kg würde nicht auf einem gutsitzenden Geschirr landen, sondern direkt am Hals des Hundes. Was für Kräfte dabei auf Hals, Wirbelsäule und den gesamten Nackenbereich wirken können, möchte ich gar nicht weiter ausführen.
Kurz gesagt: Ein Hund ist kein kleiner Traktor mit eingebauter Stoßdämpfung am Hals. 😉
Gerade bei Schleppleine, Wildreizen und möglichen Vollgas-Situationen ist ein passendes Geschirr einfach die deutlich bessere und sicherere Wahl.
Hier eine Übersicht mit ca. Richtwerten, bei einem Anlauf von ca. 5m.
Man sieht daran ganz gut: Es braucht keinen 50-kg-Hund, damit ordentlich Kraft entsteht. Bereits ab etwa 25–30 kg Körpergewicht (z. B. Labrador, Schäferhund, Golden Retriever, größere Border Collies usw.) wird es schon ziemlich „spannend“. 😅
10 kg Hund
ca. 56 kg Zugkraft
15 kg Hund
ca. 84 kg Zugkraft
20 kg Hund
ca. 112 kg Zugkraft
25 kg Hund
ca. 140 kg Zugkraft
30 kg Hund
ca. 168 kg Zugkraft
35 kg Hund
ca. 195 kg Zugkraft
48 kg Hund (Peat)
ca. 268 kg Zugkraft
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