Häufig gestellte Fragen

Da ich immer wieder darauf angesprochen werde und sich dabei häufig die gleichen Fragen wiederholen, scheint dieses Thema für viele von euch interessant zu sein. 😊

Daher möchte ich hier die häufigsten Fragen rund um die Themen Erziehung, Handling und Sicherheit sammeln und euch die passenden Antworten dazu geben.

Vorab noch ein wichtiger Hinweis: Ich bin kein ausgebildeter Hundetrainer. 😊

Meine Texte basieren ausschließlich auf meinen eigenen Erfahrungen, meinem täglichen Training mit Peat und den Situationen, die wir gemeinsam im Alltag erleben.

Ich kann und möchte nicht behaupten, dass meine Art der Erziehung oder des Handlings die einzig richtige Lösung ist. Jeder Hund ist individuell und was bei uns funktioniert, muss nicht automatisch bei jedem anderen Team genauso passen.

Ich möchte euch daher einfach zeigen, wie ich bestimmte Situationen angehe, welche Erfahrungen ich damit gemacht habe und vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß geben. 😊

Warum läuft Peat an der Schleppleine immer vorne?

Da die Frage immer wieder aufkommt, warum ich Peat an der 5-Meter-Schleppleine meistens tatsächlich die kompletten 5 Meter „vorlaufen“ lasse, gibt es hier mal die Erklärung dazu 😊

Natürlich könnte ich Peat jederzeit mit einem Kommando dazu bringen, direkt neben mir oder sogar hinter mir zu laufen. Das funktioniert auch problemlos. Gerade im Wald oder in unübersichtlicheren Gebieten hätte das aber einen entscheidenden Nachteil.

Stellen wir uns mal folgende Situation vor: Wir laufen ganz entspannt durch den Wald, genießen die Ruhe – und plötzlich entscheiden 3–4 Rehe, ungefähr 10 Meter vor uns, spontan einen kleinen „Auftritt“ hinzulegen und über den Weg zu laufen. 🦌

Läuft Peat zu diesem Zeitpunkt direkt neben oder hinter mir, hängt die Schleppleine natürlich locker herunter. Bedeutet: Er hätte die kompletten 5 Meter Leine zur Verfügung, um Anlauf zu nehmen.

Und jetzt kommt der kleine Physikteil (keine Sorge, es gibt keinen Test danach 😄):

Peat wiegt ca. 48 kg. Wenn er diese 5 Meter nutzt und entsprechend beschleunigt, kann er ungefähr 20–25 km/h erreichen. Die daraus entstehende Belastung an der Leine liegt grob bei 250–270 kg Zugkraft.

Machen wir uns nichts vor: Das ist eine Belastung, die ein normaler Mensch nicht einfach mal locker aus dem Handgelenk wegsteckt. Da wird aus „Ich halte mal kurz die Leine“ sehr schnell „Ich hoffe, mein Arm bleibt dran“. 😅

Und selbst wenn man diesen Ruck tatsächlich halten würde, wäre die nächste Frage: Macht die Leine das mit? Eine normale Schleppleine hat meistens eine maximale Belastbarkeit von ungefähr 150–200 kg. (Wir haben in der Vergangenheit schon ein paar davon erfolgreich in den Ruhestand geschickt 😉)

Genau deshalb lasse ich Peat bewusst so weit vorlaufen, dass die Leine bis auf etwa 20–30 cm nahezu gespannt ist. Wichtig dabei: Der Arm, mit dem ich die Leine halte, hängt locker nach unten und es ist kein dauerhafter Zug auf der Leine.

Der Vorteil: Wenn er dann doch mal ein Reh, Wild oder etwas anderes Spannendes entdeckt, hat er nicht mehr die kompletten 5 Meter als „Startbahn“. Die Belastung reduziert sich dadurch deutlich und liegt ungefähr im Bereich von 70–80 kg Zugkraft. Das ist immer noch ordentlich – immerhin zieht hier ein 48-kg-Hund und kein Einkaufswagen 😉 – aber eine Belastung, die man realistisch noch kontrollieren kann.

Es geht also überhaupt nicht darum, dass Peat nicht hört oder unbedingt vorne laufen möchte. Ganz im Gegenteil: Er darf sich bewegen, schnüffeln und die Gegend erkunden. Es ist einfach bewusst so gewählt, dass er innerhalb eines sicheren Rahmens vor mir laufen darf 😊

Kurz gesagt: Die 5 Meter Schleppleine sind nicht dazu da, Peat hinter mir herzuziehen – sondern damit er Hund sein darf, ohne dass ich bei jedem Reh am Ende einen neuen Arm brauche. 😄

Natürlich sollte das langfristige Ziel sein, dass ein Hund auch bei plötzlich auftretenden Reizen – wie zum Beispiel einem unerwartet auftauchenden Reh – ruhig und ansprechbar bleibt.

Das klappt bei Peat inzwischen auch schon richtig gut, solange ich den Reiz (also das Wild) vor ihm wahrnehme und ihn rechtzeitig zu mir holen kann. Dann können wir gemeinsam daran arbeiten und er bleibt gut kontrollierbar.

Aber: Wir sind noch nicht bei 100 % Sicherheit angekommen – und genau deshalb nutzen wir aktuell weiterhin die Schleppleine. 😊

Die Schleppleine ist dabei keine „Kontrolle statt Training“-Lösung, sondern einfach unser Sicherheitsnetz. Sie gibt Peat den Freiraum, Hund zu sein, zu schnüffeln und die Umgebung zu erkunden, während sie gleichzeitig verhindert, dass aus einem spontanen „Oh, ein Reh!“ eine unkontrollierte Verfolgungsjagd wird. 😉

 

Fun Fact zum Schluss:
Bitte nutzt bei solchen Situationen ein Geschirr und kein Halsband.

Stellt euch einmal vor, diese komplette Zugbelastung von 250–270 kg würde nicht auf einem gutsitzenden Geschirr landen, sondern direkt am Hals des Hundes. Was für Kräfte dabei auf Hals, Wirbelsäule und den gesamten Nackenbereich wirken können, möchte ich gar nicht weiter ausführen.

Kurz gesagt: Ein Hund ist kein kleiner Traktor mit eingebauter Stoßdämpfung am Hals. 😉
Gerade bei Schleppleine, Wildreizen und möglichen Vollgas-Situationen ist ein passendes Geschirr einfach die deutlich bessere und sicherere Wahl.


Hier eine Übersicht mit ca. Richtwerten, bei einem Anlauf von ca. 5m.

Man sieht daran ganz gut: Es braucht keinen 50-kg-Hund, damit ordentlich Kraft entsteht. Bereits ab etwa 25–30 kg Körpergewicht (z. B. Labrador, Schäferhund, Golden Retriever, größere Border Collies usw.) wird es schon ziemlich „spannend“. 😅


10 kg Hund

ca. 56 kg Zugkraft

15 kg Hund

ca. 84 kg Zugkraft

20 kg Hund

ca. 112 kg Zugkraft

25 kg Hund

ca. 140 kg Zugkraft

30 kg Hund

ca. 168 kg Zugkraft

35 kg Hund

ca. 195 kg Zugkraft

48 kg Hund (Peat)

ca. 268 kg Zugkraft

 

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